Zysten am Kiefer

Wenn jemand unter Kieferzysten leidet, dann merkt er lange nichts von dieser Erkrankung, da sie zu Beginn keine Symptome zeigt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Diagnose in der Regel rein zufällig, bei einer Röntgenuntersuchung, gestellt wird. Die Zysten können sich entweder direkt im Kieferknochen befinden, aber auch in den Muskeln und im Bindegewebe, welche den Kieferknochen umgeben. Eine Zyste ist ein Hohlraum, welche in der Regel mit Flüssigkeit gefüllt ist. In der Wand der Zyste wird ständig neue Flüssigkeit produziert, die nicht abfließen kann, so dass sich die Zyste in der Folge weiter ausdehnt. Beschwerden bekommt der Betroffene also erst, wenn die Kieferzyste eine bestimmte Größe erreicht hat, so dass sie auf das umliegende Gewebe drückt.

In der Regel sind Kieferzysten gutartig und nehmen nur sehr langsam an Umfang zu, im Oberkiefer kommen sie wesentlich häufiger als im Unterkiefer vor. Betroffen sind mehr Männer als Frauen, die meisten Patienten sind zwischen 20 und 50 Jahren. Wenn jemand eine Kieferzyste entwickelt, dann hat er in den meisten Fällen eine genetische Disposition dafür, das heißt, dass in der Familie gehäuft solche Beschwerden auftreten. Sie kann aus den unterschiedlichsten Gewebearten entstehen, sehr häufig entwickelt sie sich jedoch aus dem Zahngewebe.

Der Zahnmediziner unterscheidet zwischen den odontogenen Zysten, also solchen, die aus dem Zahngewebe hervorgehen, und den nicht-odontogenen Zysten. Bei den odontogenen Zysten liegt der Ursprung in der Regel in einer chronisch entzündeten Wurzelspitze, wie sie entweder bei abgestorbenen oder wurzelbehandelten Zähnen häufiger vorkommt. Aufgrund des Entzündungsprozesses kommt es zu einer Reizung der Wurzelhaut, und in der Folge kann sich dann eine Kieferzyste entwickeln.

Manchmal entsteht eine Kieferzyste jedoch nicht aus einer chronischen Entzündung heraus, sondern wegen Fehlentwicklungen der Zähne während der Phase der Zahnbildung. Eher selten entwickeln sich Zysten aus dem Zahnfleisch heraus, oder es können sich Zysten bilden, noch bevor ein Zahn aus dem Zahnfleisch heraustritt. Eine solche Keratozyste, die sich an der Stelle des Zahnes bildet, gibt in der Regel einen Hinweis auf das seltene Gorlin-Goltz-Syndrom.

Die nicht odontogenen Zysten findet man bevorzugt im Gaumen, nahe der Kieferhöhle, oder in der Nähe der Nase. Die ersten Symptome beim Vorliegen von Kieferzysten sind sehr unspezifisch, so dass eine genaue Diagnose nicht ganz einfach ist. Einige Patienten verspüren ein Druckgefühl oder einen Schmerz im Kieferbereich, doch dies kann auch auf andere Erkrankungen in diesem Bereich hindeuten. Wenn die Zysten eine bestimmte Größe erreicht haben, führen sie zu Vorwölbungen im Kieferbereich. Drückt man nun auf solch eine Verdickung, dann kann man ein Knistern hören, welches auch als Pergamentknistern bezeichnet wird.

Wenn der Patient in diesem Stadium der Erkrankung nicht therapiert wird, kann es im weiteren Verlauf sogar zu einer Entstellung im Gesichtsbereich durch Verformungen des Kiefers kommen. Darüberhinaus können sich Abszesse und Infektionen entwickeln, oder es kommt gar zu einer Schädigung von Nerven. Der Kieferknochen verliert zusehends an Stabilität, so dass es im schlimmsten Fall sogar zu einem Kieferbruch kommen kann. Ein Kieferchirurg sollte vorsorglich jede Zyste im Kieferbereich entfernen, auch wenn der Patient keine Beschwerden hat. Eventuell hilft auch ein Einschneiden der Zyste, eine so genannte Zystektomie.